Das große Abenteuer: Vegan&Krankenhausaufenthalt

Wie viele von euch mitbekommen haben war ich ja einige Wochen im Krankenhaus, 6 Wochen um genau zu sein um meine Dyshemie in den Griff zu bekommen.

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Natürlich, wie im Leben eines vegan essenden Menschen immer mal wieder,
wurde plötzlich ein Thema das sich im Alltag schon fast kaum noch bemerkbar gemacht hat nach all den Jahren der Routine plötzlich ein Problem

Nämlich, wie zum Teufel kann ich mich weiter Vegan ernähren wenn „nur“ vegetarisch angeboten wird im Krankenhaus der Wahl, das in diesem Fall die Asklepius Klinik Harburg war in der ich die sechs Wochen verbrachte und diese das Essen für die Patienten , wie so viele Kliniken in Deutschland von einem Dienstleister täglich „frisch“ geliefert wurde.

Nachdem ich am Tag der Aufnahme erklärt hatte das ich mich Vegan ernähre,
war erst mal Ratloses Kopfschütteln die direkte Reaktion, man würde das so weitergeben aber das würde wohl eher nach den bisherigen Erfahrungen nicht so gut klappen, an den ersten beiden Tagen habe ich mir somit Vegane Pizza von HALLO PIZZA bestellt da ich da auch die Station noch nicht verlassen konnte um einkaufen zu gehen und ich wegen der Eingewöhnung noch keinen Besuch haben wollte.

Spoileralarm: Hallo Pizza hat mir tatsächlich das Leben gerettet in dieser Zeit 🙂

Zwei Tage später bekam ich erstmal ein Schriftstück vorgelegt, das wenn ich auf Vegane Speisen bestehen würde, eine ausreichende Versorgung mit allen Nährstoffen nicht gewährleistet werden könne und Mangelerscheinungen die Folge sein könnten, naja dachte ich mir, immer noch besser als jetzt Wochenlang vegetarisch essen zu müssen und die karmischen sowie verdauungstechnischen Folgen zu ertragen, mein Magen kann nämlich nach fast 4 Jahren der Abstinenz von Tierischen Produkten nichts derartiges mehr ab und reagiert äusserst empfindlich wenn denn aus versehen doch mal was tierisches auch nur in seine Nähe gerät.

Das erste „Vegane“ „Essen“ das ich dann bekam gab mir wenig Hoffnung die nächsten Wochen zu überstehen, es gab Zucchini, mit Reis, allerdings ist die Zucchini einfach in Wasser eingekocht & mit Speisestärke eingedickt worden.

Kein Salz, keine Gewürze kein gar nichts…!

Beim Reis das selbe, einfach weisser Reis ohne Salz ohne alles.

Da ich wusste das alles angeliefert worden ist mache ich mir mein „Essen“ mit Salz, Pfeffer und weiteren vorhandenen Gewürzen halbwegs geniessbar, denn jetzt jeden Mittag für 16 € Pizza bestellen da war ich dann auch zu stolz zu, denn meine Krankenkasse bezahlt ja schliesslich auch für die täglich Verpflegung, also zahle ich über Umwege, natürlich auch den vollen Satz für diese kulinarischen Ergüsse…

Diese „Köstlichkeit“ wiederholte sich in den sechs Wochen übrigens genau wie die anderen Speisen immer wieder, ich hab alleine diese Kombination circa alle 3 – 4 Tage wieder vor die Nase gesetzt bekommen, andere Kombinationen waren:

-Kartoffeln mit Rotkohl
-Kartoffeln mit Möhren
-Rotkraut mit Rotkraut
-Glibberzucchini mit Nudeln
-Reisgemüsepfanne mit Bunten Möhren

und alles ganz konsequent NICHT GEWÜRZT !!!

Wobei ich sagen muss, genau an zwei Tagen gab es etwas das gut geschmeckt hat, das war eine vegetarische Spagetti Bolognese auf Tofubasis.

Die hat aber garantiert der Vegan lebende Praktikant gekocht, denn die war fast so gut wie meine oder aber auch ein blindes Huhn findet mal nen Korn…!

Auch gab es den einen oder andern „Unfall“ so sich dann doch mal was tierisches eingeschlichen hat, wie beim Frühstück immer mal wieder Honig und in einem Mittagessen muss Butter oder dergleichen drin gewesen sein, auf die Zeichen meines mittlerweile empfindlich gewordenen Magens ist da leider ziemlich zuverlässig Verlass wenn der typische Anzeichen wie plötzliche Flatulenzen im Bereich eines Orkans loslässt, was super angenehm ist in einem Zweibettzimmer und sehr viel für die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Veganer & Nicht Veganer getan hat…NIIIICHT…

Letztendlich habe ich mich fast zu 80% selbst versorgt in dem ich jeden zweiten Tag einkaufen gehen musste, Gott sei dank gab es ein Reformhaus um die Ecke wo ich zu mindestens fürs Frühstück & Abendbrot pflanzliche Aufstriche bekommen habe, aber auch Sojajoghurt, die eine oder andere Zartbitterschokolade und andere Dinge haben meinen Krankenhaus Alltag dann letztendlich erträglich gemacht…

Ein paar Impressionen meiner Eigeninitiative könnt ihr hier sehen.


Es bleibt jedoch ein leicht bitterer Nachgeschmack, denn meine Krankenkasse musste natürlich trotzdem voll den Satz für die tägliche Verpflegung bezahlen, was alles andere als fair erscheint bei der Versorgung die mir vor die Nase gesetzt wurde,
oder was meint Ihr ?

– Wie sind eure Erfahrungen mit der Verpflegung bei Krankenhaus,- & Kuraufenthalten?

– Welche Klinken sind Vegan freundlich oder sind zu mindestens in der Lage sich einzustellen auf Veganer?

– Habt Ihr auch Klinken wo Ihr ähnlich schlechte Erfahrungen gemacht habt?

Viele Grüße von meiner Insel
Euer Stefano

0 Gedanken zu „Das große Abenteuer: Vegan&Krankenhausaufenthalt&8220;

  1. Ich habe zwei wirklich gute Erfahrungen gemacht. Zum Ersten in einer kleinen Tagesklinik in Wörgl/Tirol, sie bekamen das Mittagessen aus dem benachbarten Seniorenheim. Ich wollte keine Umstände machen und sagte, ich bringe mir ein belegtes Brötchen von Zuhause mit und würde mich nur über einen Salat freuen. Bekommen habe ich die tollste, ganz sicher extra für mich kreierte riesige Salatplatte. Das zweite Mal bei einem 2-wöchigen Aufenthalt im Bezirkskrankenhaus St. Johann/Tirol, die Diätassistentin hat sich viel Zeit genommen für jeden Tag etwas Abwechslungsreiches zusammenzustellen, inklusive Suppe und Nachtisch. Ich fand das richtig toll, Tirol ist nicht gerade Österreichs Veganhochburg und habe meine Freude auch in die Küchen kommuniziert!

  2. Vor kurzem habe ich auch eine sehr schlechte Erfahrung in Bezug auf das Essen in einer Klinik gemacht. Ich war notfallmäßig in einer Lungenklinik gelandet. Dort war schon das vegetarische Essen eine Katastrophe. Das sogenannte „normale“ aus meiner Sicht aber auch. Weit weg von einer gesundheitsfördernden Vitalkost. Ich habe das dort auch in den Feedback-Bogen hineingeschrieben. Glücklicherweise konnte ich nach 4 Tagen wieder nach Hause.

    Sehr empfehlen kann ich aber die Valere-Klinik im Südschwarzwald (valere-klinik.de). Dies ist eine Klinik für psychosomatische Erkrankungen. Bei Burnout, chronischem Stress, Folgen von Mobbing, Depressionen, Angststörungen usw. wird den Patienten sehr individuell und erfolgreich geholfen und das bei einer vergleichsweise sehr kurzen Aufenthaltsdauer. Und die Verpflegung ist top. Es wird frisch, vollwertig und mit Liebe gekocht. Die Köchin hat sogar eine Heilpraktikerausbildung und kennt sich sehr gut mit Pflanzen aus. Auf die Wünsche der Patienten wird sehr stark eingegangen. Veganes Essen ist gar kein Problem. Es ist abwechslungsreich und schmeckt sehr gut! Ich durfte die Klinik als Gast kennenlernen und war sehr beeindruckt vom ganzen Konzept, bei dem auch die Ernährung eine wichtige Rolle spielt.

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