5 Gründe, die dafür sprechen, alles anders zu machen als Andere oder: Die Geschichte von meinem Ausbruch aus dem Hamsterrad

Dein Problem ist nicht der Montag, dein Problem ist dein Job!

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Ich habe diesen Spruch nun schon in vielen Varianten gelesen oder gehört, mal mehr, mal weniger kreativ, umschreibt er eines der größten Probleme dieser Zeit.

Das ganz persönliche Hamsterrad, in dem sich die meisten von uns beruflich und allzu oft auch privat bewegen.

Wir haben völlig vergessen, dass wir Arbeiten sollten um zu Leben und nicht Leben um zu Arbeiten.

Ich persönlich habe, auch wenn ich in vielerlei Hinsicht schon immer ein Rebell war, trotzdem immer irgendwie im Hamsterkäfig gelebt.

Auch ich habe meine Tage damit zugebracht, mich im Laufrad des Lebens abzurackern, ohne wirklich voranzukommen.

Bei mir lag es daran, dass meine Ziele & Wertvorstellungen alle auf dem basierten, was wir in der Gesellschaft als ERFOLGREICH definieren: sicherer Job, eine solide gute Ausbildung, ein tolles Auto, Eigentumswohnung, Versicherungen für Alles, die kein Mensch wirklich braucht, von 9 to 5 im Job, Frau, Familie, Kind und sich anpassen, soweit das mit Tattoos im Gesicht möglich ist.

Als Fotograf jagte ich den großen, lukrativen Jobs nach. Jobs die ich eigentlich gar nicht machen wollte, die aber karrierefördernd waren. Die Aufräge brachten mich zwar mit den richtigen Leuten zusammen, die ich aber so scheisse fand und denen ich lieber in den Arsch getreten hätte als Ihnen in den selbigen zu kriechen, nur um noch einen weiteren dieser Jobs abzugreifen.

Eine Spirale aus der ich keinen Ausweg fand.

Ich kämpfte damals schon mit schweren Depressionen, Burn-out & Suizidgedanken und dann wurde ich im Winter 2012 schwer krank. Wer mich länger verfolgt kennt sie, für alle anderen HIER DER LINK

Dieses Erlebnis, von einem auf den anderen Tag plötzlich mit Gewalt & unfreiwillig aus meinem persönlichen Hamsterrad gefallen zu sein, weil der Körper nicht mehr mitspielt, durch eine Atemlähmung erinnert zu werden, wie schnell doch alles auch vorbei sein kann und wie wenig man bis zu diesem Zeitpunkt gelebt hat, war in diesem Moment ein riesengroßer Schock.

Heute mit etwas Abstand betrachtet, war es das beste was mir passieren konnte.

Denn der Montag ist seit knapp 3 Jahren kein Problem mehr für mich, weil nämlich mein Job kein Problem mehr für mich ist!

Die Energie und Zeit, die ich früher mal, wie Ihr vielleicht auch, damit vergeudet habe, mich jede Woche aufs neue bei Facebook zu beklagen, dass schon wieder Montag sei, der Montag ein Arschloch ist, oder noch schlimmeres, verbringe ich nun mit Dingen die mich erfüllen.

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Ich bei einer Lesung in Regensburg aus meinem Buch „Stay true and never give up“ Photo: Martin Zimmermann 

Deswegen hier einige meiner Gründe, weshalb der Ausbruch aus dem Hamsterrad der einzig richtige war:

1.  Ich habe nun den Luxus, dass ich entscheide, wann ich wo und wie viel arbeite.  Ich nehme mir zum Beispiel die Frechheit heraus, nie vor 10:00 Uhr irgendwelche Termine zu machen. Bei größeren oft sogar erst ab 12:00 Uhr. Einfach weil ich keinen Wecker mehr will. Ich werde vom Tageslicht wach und das ist um 6:00 Uhr einfach noch nicht vorhanden.

2. Wenn ein Monat so richtig gut, läuft höre ich manchmal ganz bewusst auf, noch mehr Jobs anzunehmen, damit ich die Zeit mit meinen Herzprojekten, meinem Sohn, meiner Handvoll Freunden oder vor meinem 55 Zoll großen Fernseher zu verbringen. Oder ich packe meinen Backpack und mache eine 2-Tagestour, um für die nächste 800km Wanderung zu trainieren, oder das Handy 48 Stunden lang auszuschalten. Einfach weil mich diese Dinge glücklicher machen, als ein weiterer Job. Der zwar vielleicht weitere 5000€ abwirft, aber für den ich wohl bis zum Monatsende jeden Tag 16 Stunden arbeiten müsste. Das Alles nur, weil ich den Hals nicht voll bekomme? –

Nie wieder!

3. Ich muss niemanden mehr in den Hintern kriechen, den ich scheisse finde und ich muss diesen Menschen auch nicht helfen, durch meine Arbeit noch mehr Geld zu verdienen, weil meine ethische Einstellung (Veganismus) es mir oft leicht macht Job´s abzulehnen. die mit Pelz, Leder oder anderen Dingen einhergehen. 
Alles Dinge, mit denen ich mich mehr nicht umgebe, sie trage, besitze und/oder mit ihnen arbeiten will.

4. Ich habe das Reisen für mich entdeckt und bin in den letzten 10 Monaten knappe 1500km mit einem Rucksack und auf meinen eigenen Füßen durch Frankreich, Spanien, Portugal sowie einen kleinen Teil auch in Deutschland gelaufen.
Wegen dieser Reisen habe endlich angefangen Englisch zu lernen. Habe nun enge Freunde auf der ganzen Welt und konnte insgesamt 10 Wochen lang den lieben Gott einen guten Mann sein lassen und habe mein erstes Buch „Stay true and never give up“ schreiben können.

Einfach weil es mir nicht wichtig ist, noch mehr Reichtümer anzuhäufen als ich brauche, um wirklich nur zu leben.

Abgesehen von meinem Luxus-Fernseher, auf dem „The Walking Death“ nun mal viel geiler kommt. So viel Zeit am Stück für mich, habe ich alle Urlaube aus den letzten 15 Jahren zusammengerechnet nicht gehabt.

5.  Ich habe den Minimalismus kennen & schätzen gelernt und habe damit in meinem Leben einen Befreiungsschlag epischen Ausmaßes in Gang gesetzt.
Auf meiner ersten Wanderung, 850km auf dem französischen Jakobsweg, habe ich gemerkt, dass ich mit den wenigen Dingen, die in meinem Rucksack stecken, so viel glücklicher war als je zu vor. – Keine Angst haben zu müssen, dass man mir etwas wegnehmen könnte, weil ich einfach mal nix habe. – Sich nur um das elementarste kümmern zu müssen wie, trinken, essen, Unterkunft, duschen & Wäsche mit den Händen waschen. –

Und eben jeden Tag ein Stück weiterlaufen. War der absolute Wahnsinn.

Mehr Freiheit ist für mich momentan schwer vorstellbar, obwohl es sicher Menschen gibt, die das noch auf die Spitze treiben. Zurück in Hamburg in meiner Wohnung, kamen dann meine Wände sowie mein über die Jahre angehäufter Besitz auf mich zu, ich bekam regelrechte Panikattacken und begann mein Leben zu überdenken. Ein weiteres Mal sprang ich aus einem Hamsterrad, dem des Besitzes.

Ich will nicht zu weit ausholen, aber ich verschenkte, verkaufte, spendete und entsorgte in den nächsten 3 Monaten 2/3 meines gesamten Besitzes: Klamotten, Technikspielzeuge, Kamera´s & Fotografengimmicks, hunderte Bücher, CD´s, DVD´s, Vinyl (Platten), angesammelte Fotos, Postkarten, Bilder, Collagen, Erinnerungen, und und und.

Alles kam nach und nach bei anderen Menschen, Organisationen oder auf dem Müll unter. Mein Herz wurde leichter und leichter, meine Wohnung, mein Keller & Dachboden wurden immer leerer. Das beste an meinem Minimalismus ist, das ich all meinen Kram nun in circa 10 Kisten packen und einlagern kann und somit frei bin, schnell mal umzuziehen, frei bin für ein Jahr ins Ausland zu gehen oder den nächsten Weitwanderweg in Angriff zu nehmen. Meine Wohnung für diese Zeit dann unkompliziert per Airbnb oder ähnlichem, untervermietet.

So habe ich immer die Chance zurück kommen zu können, wenn einer meiner Pläne nicht so funktioniert. wie ich mir das vorgestellt habe.

Es gibt noch viele andere Gründe für mich, mein neues Leben zu lieben und dankbar zu sein, für das was ich habe, statt immer noch mehr haben zu wollen & meine wertvolle Lebenszeit damit zu verbringen, diesen Dingen hinterher zu jagen.

Einfach das zu machen, was man für Geld eben nicht bekommt, ist wahrer Luxus: Das Leben voll und ganz auszuschöpfen und es mit weniger Ballast zu genießen.

Freiheit ist unbezahlbar!

In diesem Sinne Viele Grüße aus dem ICE und euch allen ein tolles Wochenende

Euer Stefano

0 Gedanken zu „5 Gründe, die dafür sprechen, alles anders zu machen als Andere oder: Die Geschichte von meinem Ausbruch aus dem Hamsterrad&8220;

  1. Wie schön wäre es das Hamsterrad zu verlassen, aber das ist leider auch kein einfacher Schritt. Denn leider braucht man am Ende doch etwas Geld zum leben. Und je nachdem was für ein Mensch man ist stehen der „Freiheit“ auch so viele Ängste im Weg. Ich hoffe, dass ich es irgendwann ebenso schaffe meinen Tag so ähnlich wie Du beginnen zu können ohne Ängste das nicht schaffen zu können. Ich wünsche Dir so viel Glück bei Deinem Weg! Du bist eine tolle Inspiration und machst anderen Mut.

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